BMW 1er M Coupé – ein Fahrbericht: Fast forward

„Now that you´ve gone“ ein Song von Mike & the Mechanics klingt mir einige Tage, nachdem ich den 1er M-Coupé Testwagen wieder zurückgegeben hatte, in den Ohren: „Now that you´ve gone / how can I go on / I can´t believe, this could happen to me“.

Ich steige wieder in mein “Vernunftfahrzeug” des gleichen Herstellers und betätige denselben Starknopf wie im Testwagen. Dezent springt der Diesel an, und es macht sich spontan ein vermeintlicher Verlust des Hörvermögens breit: wo bleibt das sonor-kraftvolle Aufbrummen des Sechs-zylinders, das alleine schon ein akustischer Genuss ist?  Und der einen wissen lässt: ich bin startbereit, und komme was wolle – ich bringe Dich schnell, schneller als andere, ans Ziel und was (noch) vor uns liegt bringen wir schnell hinter uns. Beim Betätigen des Gaspedals der nächste Frust: alleine sachter Druck genügte beim 1er M Coupé  für vehementen Ansatz von Vortrieb, nun muss ich das Pedal schon fast ganz durchdrücken um …. „  how can I go on / I can´t believe, this could happen to me“…

Dreidimensionaler Genuss:  Hören (der einzigartige Sound des Motors), fühlen (jederzeit satter Vorschub und Druck in den Sitz), und sehen (so schnell kann man auf über 200 sein).  So dürften für den Erwerb eines 1er M Coupés wohl überwiegend emotionale Gründe sprechen.  Denn man erwirbt ein Powerbündel, das locker in der Liga von Sportwagen mitspielt. Daß es mit seinen Reizen (sprich: seiner Leistung) nicht hinter dem Berg hält zeigt extro-vertiertes Muskelspiel mit ausgeprägten Frontschürzen, die kraftvolle „Schulter“ (Designer bezeichnen damit die Verbreiterung über der Hinterachse) , ein (Carbon)Spoiler auf dem Heck und die vierflutige Auspuffanlage, die mit für den entsprechenden Sound sorgt.  Vorne ruht das 1er M Coupé auf 19 Zoll M-Leichtmetallrädern und 245er Reifen, an den Antriebsrädern warten 10 Zoll M-.Alufelgen mit 265er Pneus darauf,  Antriebskräfte  in Vortrieb umzuwandeln.

Wer das 1er M Coupé im Rückspiegel näher kommen sieht bekommt signalisiert daß es an der Zeit ist die Überholspur zu räumen, und spätestens wenn man die Akustik des zügig weiter beschleunigenden Kraftmeiers beim Vorbeiziehen hört, am Heck die zwei doppelflutigen Auspuffrohre und das „M“ am Kofferraumdeckel sieht, kennt man den Grund. Der Kenner weiß: dort sorgt ein 6-Zylinder Motor, der von einem Twin-Turbo zwangsbeatmet wird, mit seinen 340 PS für schier grenzenlosen Vortrieb.

Platz nehmen heißt es in Leder bezogenen Sportsitzen; griffig liegt das M-Sportlenkrad in der Hand – der sportliche Maßanzug sitzt perfekt; die Ledersitze mit farblich in sportlichem Orange abgestimmten Nähten, auf der Alcantara-Verkleidung von Türen und am Armaturenbrett ergänzen sportliches Ambiente. Beim Design der Rundinstrumente wäre etwas weniger (Farbe) mehr gewesen:  der Verzicht auf die graue Einrahmung des inneren Feldes hätte die Ablesbarkeit von Geschwindigkeit und Drehzahl erleichtert. BMW typisch sitzen alle Bedienelemente dort wo man sie intuitiv erwartet. Das Coupé bietet vier Sitzplätze, auch die hinteren einzeln ausgeformten und durch eine Ablage getrennten Plätze ermöglichen angenehmes Reisen, sofern Fahrer und Beifahrer nicht besonders groß sind.

Das 6-Gang Schaltgetriebe erfordert speziell in den unteren Gängen bei forcierter Fahrweise häufige Schaltwechsel, hier ist die Bekenntnis zur „Freude am Fahren“ spürbar erforderlich. Leider ist für diese M-Variante auch  gegen Aufpreis kein Doppelkupplungs- oder Automatik-Getriebe wie beim M3 und M5 erhältlich. Das 1er M-Coupé als „M-Einstiegsdroge“? Gleichwohl ist der 6-Zylinder im Stadtverkehr auch durchaus „Schaltfaul“ zu fahren. Auch wenn sich hier oft die Köpfe interessierter Passanten nach dem klangvollen „kleinen Kraftprotz“ wenden – die Stadt ist nicht das Revier des 1er M Coupés.  Also raus aus der Stadt und auf die Autobahn – und hier erlebt man eine der rasch süchtig machenden Tugenden der Fahrmaschine: die unendlich kraftvolle Beschleunigung, die zum raschen Ansteuern der Überholspur rät auf der man sich dann nach kürzester Zeit in Geschwindigkeitsbereichen jenseits von 200 befindet. 4,9 Sekunden von 0 auf 100, 17,3 Sekunden bis 200 sind Kennzahlen die für sich sprechen. Aber noch schöner ist es eben, diese live zu erfahren und zu hören, denn Motor und Auspuff sorgen hier für ein einzigartiges akustisches Erfolgserlebnis. Im Zusammenwirken mit den nicht enden wollenden Vortriebskräften – auch jenseits von 160 steht satter Schub an – ein emotionales Erlebnis das zugleich auch die Nachfrage nach derartigen Fahrzeugen erklärt.  Bei 250 wird man „ausgebremst“, denn dann signalisiert eine Warnleuchte mit dem Signal „Limit“ daß man die werksseitig begrenzte Höchstgeschwindigkeit erreicht hat.

Leider fordert sportlich ambitionierte Fahrweise aufgrund des auf 53 Liter begrenzten Tankinhalts häufiger den Besuch von entsprechenden Versorgungsstellen;  dennoch sind wir im Mix von Stadt und außerstädtisch nicht über 10,5 Liter gekommen, auf Landstraßen erreichten wir knapp 9 Liter.  Beschleunigungs-Eskapaden beim forciertem „Einspuren“ auf die Autobahn fordern hingegen konsequent ihren (Treibstoff-)Tribut.

Kurvenreiche Landstraßen und Bergpässe sind das Eldorado für den 1er M Coupé: gut angebremste Kurven erlauben volle Beschleunigung vom Scheitelpunkt weg; hier liegt das Fahrzeug wie ein Brett, schiebt auch kaum über´s Heck (denn es hat ja de facto fast keines). Die Lenkung vermittelt besten Fahrbahnkontakt, und so zieht das Coupé förmlich wie auf Schienen der Lenkung folgend, durch die Kurven und heraus. Das sportlich abgestimmte Fahrwerk gibt dem Fahrer jederzeit beste Rückmeldung – allerdings auch über alle Unebenheiten der Straßen. Hier haben die Ingenieure von BMW eine konsequente Entscheidung getroffen und ein im wahrsten Sinne des Wortes  „fahrerlebnis-orientiertes“ Automobil auf die Räder gestellt. Gesteigerte Fahrfreude stellt sich bei Betätigung der, unscheinbar am Multi-Funktionslenkrad angebrachten „M“ Taste ein, denn sie aktiviert eine noch unmittelbarer am Gas hängende Motorsteuerung, insgesamt wird das Drehzahlniveau angehoben und dadurch ein noch spontaneres Ansprechen des Motors erzielt.  Musikalisch fiel uns zum Gesamteindruck passend dabei der Song „Driver´s seat“ von Sniff´n the tears von 1978 ein, der unser Fahrerlebnis akustisch bestens unterstrichen hätte: “Pick up your feet / Got to move to the trick of the beat / There is no lead / Just take your place in the drivers seat…….

Für den Einstieg in die M-Welt von BMW mit dem 1er M Coupé und die Gewissheit, den „Driver´s Seat“ sein eigen zu nennen sein eigen zu nennen, sind – ohne Extras – € 51.500,- an den freundlichen BMW-Partner zu überweisen wenn man das Glück hat, daß die Bestellung für diese begrenzte Baureihe noch angenommen wird.  Dafür gehören unter anderem  Sportsitze, Lederausstattung, Alcantara-Einlagen, Sitzheizung, M-Lederlenkrad, Klimaanlage, Xenon-Licht, elektrische Fensterheber und Radio Business zur Serienausstattung. Mit einigen Extras wie dem Navigationssystem (€  2.790,-) lässt sich rasch ein Einstandspreis von knapp unter € 60.000,- konfigurieren.  Take your place in the driver´s seat….

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