Das Porsche-Museum ehrt die 100. Auflage der „Targa Florio“

Porsche Targa Florio

Das Porsche-Museum ehrt die 100. Auflage der „Targa Florio“. Rund 8.000 Kurven, knapp 800 Kilometer, sieben rollende Botschafter und vier Legenden in drei Tagen: Das Porsche-Museum hat exakt 60 Jahre nach dem ersten Sieg, den Umberto Maglioli im 550 A Spyder für die damals noch junge Sportwagenfirma 1956 einfuhr, die „Targa Florio“ zusammen mit den damaligen Rennfahrern Vic Elford, Gijs van Lennep, Herbert Linge und Günter Steckkönig an diesem Wochenende aufleben lassen. Aus der Fahrzeugsammlung pilotierten die Zeitzeugen eine ganz besondere Flotte durch die sizilianischen Bergdörfer: den 356 Speedster 1600 S (Bj. 1958), 911 Carrera 2.7 RS (Bj. 1973), 718 RS 60 Spyder (Bj. 1960), 356 Abarth (Bj.1960), 356 B 2000 GS-GT „Dreikantschaber“ (Bj.1963), 911 Carrera RSR (Bj. 1973), und 911 S 2.2 Targa (Bj. 1970).

Gijs van Lennep – Sieger der „Targa Florio“ 1973
Der niederländische Rennfahrer Gijs van Lennep, der das sizilianische Straßenrennen 1973 für sich entscheiden konnte, fuhr ein ehemaliges Teilnehmerfahrzeug der Zuffenhäuser, den 911 Carrera RSR, durch die schmalen Bergstraßen. „Ich habe das Rennen damals gewinnen können, da die anderen Teilnehmer im Feld Fehler machten“, blickt van Lennep zurück und zieht das simple Fazit: „Nur so kann man die Targa Florio gewinnen. Die unmittelbar direkte Konkurrenz fiel schon zu Beginn des Rennens aus, so dass wir bereits ab der dritten Runde in Führung lagen.“

Noch heute versprüht die Neuauflage des weltweit ältesten Langstreckenrennens, das an diesem Mai-Wochenende sein einhundertzehnjähriges Jubiläum feierte, die typisch sizilianische Atmosphäre. „Ich würde am liebsten direkt wieder losfahren“, sehnt sich van Lennep, der insgesamt vier Mal die „Targa Florio“ fuhr. 1970, im ersten Jahr seiner Teilnahme, brachte er es mit dem Porsche 908/2 trotz eines Radverlustes auf den 4. Platz im Gesamtklassement. Dass er drei Jahre darauf im Porsche 911 Carrera RSR die „Targa Florio“ schließlich für sich entscheiden konnte, bedeutet dem 74-jährigen noch heute viel. Er trainierte vorab eine Woche lang in 35 Runden die Etappen dieser Rallye: „Mein Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans 1971 war natürlich mein größter Erfolg. Aber der Sieg der Targa Florio ist fest in meinem Herzen verankert.“

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Vic Elford – Sieger der „Targa Florio“ 1968
Der heute 80-jährige Vic Elford erinnert sich dankbar an seinen Gesamtsieg von 1968 im Porsche 907 zurück: „In Cerda hatte ich plötzlich einen Platten am rechten Rad. Als ich noch überlegte, ob mein Rennen jetzt vorbei wäre, sprangen die Zuschauer von ihren Plätzen und hoben mit bloßer Muskelkraft mein Fahrzeug hoch – immerhin eine deutsche Marke“, erinnert sich Elford. „Sowas kann einem nur hier passieren. Ich konnte das Rad reparieren und am Ende das Rennen sogar für mich entscheiden. Das hätte ich ohne die Hilfe der Einheimischen nicht geschafft.“

Insgesamt sechs Mal ging Elford in Sizilien an den Start. „Yard by yard habe ich mir die Strecke eingeprägt“, verrät er. „Dank meines fotografischen Gedächtnisses konnte ich mir jede Kurve, jede Besonderheit auf der Strecke problemlos merken“. Dass er nun die „Targa Florio“ im 911 Carrera 2.7 RS fahren konnte, freut den Amerikaner und Elfer-Spezialist besonders. „Der Asphalt fühlt sich noch wie damals an – sehr glatt und staubig.“

Herbert Linge – 2x zweiter Platz in der Gesamtwertung der „Targa Florio“
Herbert Linge ging ab dem Jahr 1959 zehn Mal in Folge an den Start. Neben zwei zweiten Plätzen im Gesamtklassement konnte er fünf Mal den Klassensieg einfahren. „Die historische Route heute noch einmal im 718 RS 60 erleben zu dürfen, ist ein unvergessliches Erlebnis“, betont der 88-jährige Leonberger. Damals wie heute war ihm dabei stets der Teamgedanke wichtig. „Als Umberto Maglioli sein Rennen allein siegreich beenden konnte, war uns bewusst, dass wir das als Mannschaft erst Recht schaffen konnten.“

Porsche Targa Florio

Günter Steckkönig
Von 1971 bis 1973 nahm Günter Steckkönig auf Porsche an der „Targa Florio“ teil. „Die Targa Florio besticht durch ihre Nähe zum Zuschauer – und das nicht nur beim Rennen, sondern auch bei der technischen Abnahme“, erinnert sich der Stuttgarter, der in der Nachkriegszeit als einer der ersten Lehrlinge bei Porsche anheuerte. „Die Einheimischen parkten auch ihre Vespa und ihren Fiat am Streckenrand. Im Grunde genommen sind wir durch lebende Leitplanken gefahren.“

Günter Steckkönig war der erste Fahrer, der 1971 die „Targa Florio“ auf Slicks absolvierte. „Dunlop trat mit der Idee an mich heran. Immerhin hatte man dadurch mehr Gummi auf dem Asphalt im Einsatz“, erklärt der 79-jährige. „Unsere Trainingsrunden drehten wir immer früh morgens ab 4 Uhr, weil die Straßen bis auf ein paar Maulesel leer waren“, schwelgt Steckkönig in Erinnerungen. „In Cefalù, auf der heutigen Strandpromenade, haben wir unsere Bremsen eingefahren.“ Auch Steckkönig konnte auf die Unterstützung der Einheimischen setzen. „1971 wurde uns der Überrollbügel im 914 nicht abgenommen“, erzählt er. „Ein Schmied in Cefalù hat uns dann zwei zusätzliche Stützrohre sauber durch die Heckscheibe des Wagens eingebaut. Der zweiten, dann erfolgreichen technischen Abnahme wohnte der Schmied selbst auch mit bei.“ Der Einbau ist heute noch in diesem 914 original vorhanden.

Bei der „Targa Florio“ war es nicht unüblich, die Rallyefahrzeuge auf Achse nach Sizlien zu fahren. So fuhr 1973 Günter Steckkönig mit dem 911 Carrera RS, das sechstplatzierte Fahrzeug im Gesamtklassement, nach Stuttgart nach Hause. Aufgrund eines technischen Problems entschied er, ab Cefalù den Motor des Carrera RS ohne Unterbrechung laufen zu lassen. „Die Standbatterie einzusetzen, das war mir zu aufwendig“, entschied Steckkönig. Er konnte den Elfer sicher bis vor die Werkstore von Zuffenhausen pilotieren, ohne dabei den Motor ein einziges Mal abzustellen.

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Wiedersehen beim Schuhmacher „Ciccio“
Gijs van Lennep, Herbert Linge und Günter Steckkönig trafen am Rande der einhundertsten Auflage des sizilianischen Bergrennens den berühmten Schuhmacher Ciccio in Cefalù wieder. Der 80-jährige Sizilianer fertigte 1968 für Vic Elford über Nacht Rennschuhe, mit denen er im Porsche 907 das Rennen gewann. Seither hat er für zahlreiche namhafte Rennfahrer individuelle Rennschuhe hergestellt. Noch heute zeichnet er dazu den Umriss eines Fußes mit einem Stift auf einem Blatt Papier nach.

Herbert Linge besuchte Ciccio erstmals 1956, zuletzt 1986. Günter Steckkönig traf den Schuhmacher vor 25 Jahren das letzte Mal. Von allen drei Fahrern hatte er noch die Fußskizzen zur Hand. „Das ist wirklich unglaublich, weil er meine Maße vor 46 Jahren genommen hat“, ist van Lennep überrascht. In der Dauerausstellung des Porsche-Museums zeigt der Sportwagenhersteller ein paar von Ciccio handgefertigte Rennschuhe von Gijs van Lennep, die im Design an die rot-weiß-blauen Nationalfarben des Niederländers angelehnt sind.

1906 wurde die „Targa Florio“ erstmals ausgetragen. 1973 wurde das Rennen als Weltmeisterlauf aufgrund von Sicherheitsrisiken eingestellt. Porsche kann mit einer Bilanz von elf Siegen als erfolgreichste Marke auf das Straßenrennen zurückblicken. Die diesjährige „Targa Florio“ fand vom 5. bis 8. Mai statt.






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