Jaguar F-Type: Das Schöne als Biest

Das Alphabet ist nicht genug, könnte ein neuer Bond heißen, bei dem Jaguar die Haupt-Nebenrolle spielt. Neben dem X wie in XK und XJ, dem M in Mk 1 bis Mk Ten hat die britische Schmiede die Typenbezeichnungen C-Type, D-Type und die Ikone E-Type durch dekliniert. Morgen wird in Paris der F-Type gezeigt. Fineartofliving hatte vorab die Chance zu einem ersten Hands-on in der Nähe von London. 

Adrian Hallmark, Brand Director Jaguar, ist stolz wie Bolle. „Die Marke Jaguar geht durch eine massive Veränderung“, stellt der alerte Manager fest. Denn: Seit die indische Firma Tata Anteilseigner ist, geht etwas bei Jaguar. „Wir stellen mehr Produkte her, für mehr Verkaufsoptionen. Und zwar distinguished from the competition.“ Diese Alleinstellung gegenüber dem Wettbewerb soll sich aber auch auf die sportliche Vergangenheit von Jaguar beziehen, ihr „on the move“-Sein herausstellen. Und dem legendären E-Type, der „heute als Sportwagen noch Benchmark ist“, endlich im Alphabet den nächsten Buchstaben folgen lassen: F-Type.

„Wir haben als Jaguar ein Recht darauf, das zu tun,“ ist sich Hallmark sicher. Jaguar will, so Hallmark, den Rahmen wieder aufhellen, in dem die Ikonen mit der springenden Raubkatze stehen und die Nutzer daran teilhaben lassen. Die mittlerweile etwas sehr in die Jahre gekommene „Heritage“ soll wieder aufleben und – mit dem gleichen Fußabdruck wie ein Aston Martin Vantage – und zu moderaten Preisen im kleinsten Verkaufssegment punkten. Von den 76 Millionen Autos, die jährlich verkauft werden, sind nämlich lediglich 72.000 reine Sportwagen. In diesem Promille-Segment will Jaguar nun punkten.

Und ja, der F-Type, der als CX-16 auf der letzten IAA noch Konzept-Status hatte, ist als veritabler Jaguar genau so gierig gestaltet wie der XK-R. Ein Riesenschlund für gute Luftversorgung der zwei V6 und des V8 erinnert ein wenig an Maserati, die Scheinwerfer sind denen des legendären Z8 nicht unähnlich. Das liegt aber in der Natur der Dinge: Roadster brauchen einen langen Vorbau, ein kurzes Greenhouse und möglichst knappe Überhänge. Wie weiland der E-Type auch. Dazu passt die Wespentaille und der knackige Po, den Designer Ian Callum dem Sportler hat angedeihen lassen. Bei den beiden V6 (mit 340 und 380 PS) endet der schicke Po in zwei Endrohren, beim 495-PS V8 Supercharged (wie im XK-R verbaut) strotzen vier Endrohre die Potenz des Motors aus dem Blechkleid. Auf dem Papier soll das für Null bis 100 km/h jeweils 5,1 (F-Type), 4,9 (F-Type S) und 4,3 Sekunden beim Supercharged bedeuten. Topspeed ist 260, 275 und beim V8 gar 300 km/h.

Und weil Jaguar schon lange mit Aluminium arbeitet und es auch für Neukarossen in großem Umfang recycelt, steht der F-Type im Alu-Kleid der vierten Generation da. Unter dem Strich soll das für knapp unter 1,6 Tonnen reichen und im Konzert mit einigen „industry-first“ Anwendungen auch noch spritsparend sein. Denn der F-Type ist mit einem Quickshift-8-Gang-Getriebe verknüpft und kann damit sicher auch leise vor sich hin gurgelnd im großen Gang unterwegs sein. Wird jedoch die Leistung voll abgerufen, dürften auch bei Jaguar die theoretischen Werte ab 8,8 Liter nur noch Papiertiger sein.

Das Interieur ist typisch Jaguar und vermittelt beim Öffnen der Tür mit ausstellbaren Griffen gleich ein Gefühl von Heimeligkeit. Hochwertiges Leder, gute Materialien, tolle Sitze. Kurz: Ferry good. Aus dem Weg geräumt wurde allerdings der zentrale Alu-Wahlschalter für die Automatik. Da sitzt jetzt ein Wahlhebel, der laut Ian Callum zu einem Roadster einfach dazu gehört. Im Armaturenbrett sind jetzt unterhalb des Displays drei runde Wahlschalter verbaut, die den Passagieren in diversen Modi die Welt der Elektronik und Klimatisierung nahe bringen. Und als kleiner Seitenhieb auf die Mitbewerber à la Porsche hat der F-Type jetzt auch einen G-Punkt, um die Fliehkräfte beim Fahren optisch rüber zu bringen.

Sehr aufwendig ist die Arbeit eines Spoilers versteckt, der bei Normaltempo ja eher das Bild der schlanken Form stören würde. Und damit das nicht passiert, ist erstmalig bei einem Jaguar in den Kofferraumdeckel ein ausfahrbarer Spoiler integriert, der bei höheren Tempi für Anpressdruck Sorge trägt. Und unter dem Deckel findet sich tatsächlich noch ein Gepäckabteil, das mit 200 zerklüfteten Litern Platz für ein Wochenende mit weichen Gepäcktaschen bietet. Kurzum: Von dem gierigen Schlund mit Kiemen und Splitter vorne bis zum knackigen Jeans-Po hinten ist er ein Connaisseur-Auto feinster britischer Provenienz.

Und so kommen wir finalmente zum wichtigsten Punkt, dem Preis. Für knapp 74.000 Euro wird sich der F-Type unters Volk mischen und den Jaguar-Aficionados endlich wieder einen kernigen und bezahlbaren Zweisitzer bieten, der den SLK, Z4 und Konsorten Paroli bieten kann. Wer auf die brutale Kraft des V8 setzen mag, muss allerdings ebenfalls damit rechnen, dass der Preis mit einer Eins beginnt und erst nach sechs Stellen aufhört. Aber auch hier liegt die Konkurrenz wesentlich weiter vorne.

Form und Funktion legen nahe, dass Jaguar sich wieder sehr stark an seine Wurzeln erinnert hat und mit dem F-Type einen offenen Zweisitzer (Coupé könnte 2013 folgen) anbietet, der High-Tech Performance zu fast schon moderaten Konditionen anbietet. Und gerade so, als könnte er es selbst noch nicht ganz glauben, fügt Adrian Hallmark hinzu: „The car truly feels alive“. Was nach dem Pariser Autosalon zu beweisen wäre. (Text: Jo Clahsen, Fotos:Jaguar)

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