Mercedes S 500 L: Der fliegende Teppich

Irgendwie nicht normal, wenn immer der Gleiche gewinnt. So wie beim FC Bayern. Aber die S-Klasse von Mercedes hat nun einmal den Nimbus, das beste Auto der Welt zu sein. Und sie erfüllt diesen Anspruch auf wundersame Weise immer wieder. Eine Begegnung mit dem S 500. In Langversion. Und mit Allradantrieb.

Mercedes S 500 L 13C665_004 Altmodisch? Keineswegs. Kaum hat man im Pilotensitz Platz genommen und die Tür zugezogen entstehen wie von Geisterhand zwei Kreise auf dem Riesendisplay. Zwei stumpffeine Linien, wie sie wohl nur noch analoge Grafiker beherrschen. Und außerdem müssten sie nicht irgendwasmitmedien machen, sondern beidhändig und gegenläufig perfekte Kreise aus der Hand zeichnen. Im Falle der S 500 Limousine sind es wohl eher Bits und Bytes, die weiße Kreise auf schwarzem Grund malen. In Perfektion. Kurz danach füllen sich diese Kreise mit dem Tacho und dem Drehzahlmesser. Die S-Klasse signalisiert: Ready when you are. Ein kurzer Druck auf den Starter. Leises Summen des Großvolumers, der eigentlich S 466 heißen müsste.

Mercedes S 500 L Cockpit mit HeadUp Display 14A96 lres Die acht Zimmer des 4.663 Kubik großen Motors füllen sich mit Hochoktanigem, der Wählhebel am Lenkrad stellt D ein und mit nur winzigem Druck auf das Fahrpedal setzt sich „das beste Auto der Welt“ in Bewegung. Nicht regt auf, nichts krawallt oder knirscht – es herrscht Vorwärtsgang der luxuriösen Art. Leise schminkt die Klimaanlage die Haut der Insassen mit einem Hauch gekühlter, nicht kalter, Luft. Dazu singt das 7G-Tronic Getriebe den Song vom Hubraum, der durch nichts zu ersetzen ist. Bei gemächlicher Fahrt zupft der Wandler die Gangstufen ohne merkliche Unterbrechung in die höchste Stufe, während die Airmatic alles in Grund und Boden bügelt, was sich dem ABC-Fahrwerk (Active Body Control) in die Quere stellt. Selbst üble Verwerfungen auf den bescheidenen deutschen Straßen werden von den vorausschauenden Kameras erkannt und sogleich weich gespült, bevor sie den Aufbau überhaupt in Wallung bringen könnten. Mercedes S 500 L Interieur 13C1105_12

Das sollte man bei einem Basispreis von 107.635 Euro wohl auch erwarten können. Aber gemach, die S-Klasse hat noch ein paar Asse im Ärmel, die man so wohl nur bei Mercedes und nur in einer S-Klasse finden kann. Als da wären: Ein Infotainment-Paket, das dem Namen alle nur erdenkliche Ehre macht. Kein umständliches Gefizzel mit irrsinnig vielen Menus, sondern Gelassenheit am Drehrad in Kombination mit ein paar wertigen und exzellent rastenden Tasten für die Hauptmenus davor. Und ein Navigationsgerät, das so zackig ist wie ein Rekrut. Weicht man etwa von der eingegebenen Route ab, biegt links oder rechts ab, dauert es höchstens 200 Meter, bis die neue Route bereits im Display erscheint. Selbst die Stimme scheint eigens für die S-Klasse ausgelegt zu sein. Die Dame aus den Lautsprechern spricht mit der ruhigen Überzeugung einer Top-Sekretärin, die nichts aus der Fassung bringen kann. Mercedes S 500 L Cockpit Navi 13C939_01 lres

Telefonie, Hotspot, zu- und abschaltbare POIs, Musik aus dem High-End 3D System von Dieter Burmester (7.497 Euro), Media-Interfcae und vieles mehr sorgen für sorgenfreies Gleiten, wenn man denn das Chauffeur-Paket für 1.011 Euro mit dazu bestellt und grundsätzlich hinten rechts sitzt. Denn genau dort lohnt es sich, auch für Kaliber jenseits 1,90 Meter, die Lehne des Beifahrersitzes zu klappen, die Liegeposition einzunehmen und sich von der First-Class Massage die müden Muskeln durchkneten zu lassen. Dazu fährt man noch die Seitenrollos und das Heckrollo hoch, schaltet das Handy auf „stumm“ und räkelt sich in den fein ledernen Sitzen. Der Fahrer wird derweil ebenfalls entspannend massiert und durch die sehr guten Sitze im Modus Fahrdynamik auf Kurs gehalten.

 Das Beste ist der sahnige Achtzylinder.

Er stört nie durch übermäßiges Geräusch, macht keinen auf Kraftmeier, denn bereits mit 2000 Touren ist er geschmeidig auch in höheren Tempi auf der Autobahn unterwegs. Das alles geschieht mit einem Luxus, der dem Chef ein Nickerchen gemütlich zugesteht. Nur der Chauffeur muss Acht geben, dass die Limousine ihn nicht dermaßen einlullt, dass auch er dahin nickt. Aber dann greifen auch die Helfer flugs ein. Müdigkeitswarner, zum Beispiel. Keiner verlässt die Spur, ohne eingebremst und korrigiert zu werden. Sensoren allüberall kümmern sich um frühes Bremsen (im Zweifel bis zum Stillstand), um braves Folgen im zäh fließenden Verkehr. Und mit der 360 Grad Kamera auch um die Außengebiete des deutschen Prachtfahrzeuges. Da braucht es eigentlich keinen Sportmodus für den Motor. Und auch keine Sport-Einstellung für das Fahrwerk. Ist eh nur so, als würde man von doppelt weichen Daunen auf Daunen umgebettet.  Mercedes S 500 L Interieur Fond 13C882_32 lres

Und nachts, wenn alle Katzen grau sind, schaltet man links hinter dem Multifunktions-Lenkrad noch das Nachtsichtgerät an, um ganz sicher alles mitzubekommen, was kreucht und fleucht. Dazu verändern sich dann die zwei in perfekten Kreisen leicht und hoch elegant nach links und rechts, verschieben die Skalen, so dass das Bild der Kamera im Mittelpunkt steht. 

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Natürlich gibt es gute Fahrzeuge der Marken „made in Germany“. Aber den Luxus, die Sicherheit und auch die Fahrsicherheit einer S-Klasse gibt es halt nur hinter dem Stern aus Stuttgart. Muss auch so sein, denn die 160.364,40 Euro oder die monatliche Leasing-Rate von 1.870,81 Euro, die unter dem Strich stehen, sind schließlich auch kein Pappenstiel. Dafür bietet der fliegende Teppich aber auch den Luxus eines Ein-Zimmer-Lofts in Lower Manhattan. Wer die Individualisierung auf die Spitze treiben will, sollte sich gleich eine Tankstelle und eine Bank kaufen. Mit dem S 63 von AMG steht eine S-Klasse zu Gebot, die es an nichts mangeln lässt. Dafür wird dann das Loft aber auch noch einmal ordentlich teurer. (Text: Jo Clahsen)

 






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