Rolls Royce Wraith: Gespenst-Coupé

Nach dem Phantom und dem Geist hat Rolls Royce ein Gespenst Namens Wraith auf die Räder gestellt. Der Name Wraith hat bei Rolls Royce Tradition: Was 1938 als Pullman-Limousine auf die Straße kam, hat jedoch mit dem Gespenst von 2013 nicht mehr viel gemein. Richtig große, schwere und auch lange Trumms sind bei Rolls Royce ja alle Modelle. Aber der Wraith ist einfach anders. Erst einmal ist er ein Coupé und Gran Turismo und zwar sehr elegant geschwungen und edel. Das kennt man so von den Engländern nicht. Nur als Name beim Drophead Coupé, aber da ist es ein Cabrio auf Basis des Phantom.

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So viel zur Nomenklatur. Der Neue hat natürlich viel von seinen Geschwistern übernommen. Das fängt beim Gewicht an (2.360 Kilo), geht weiter mit den Maßen (5,26 x 1,94 x 1,50 Meter) und endet noch nicht bei den hinten angeschlagenen Portaltüren. Das gesamte Interieur ist typisch Rolls-Royce. Edelste Materialien, feinste Verarbeitung und auch ein Fond, der sehr geräumig ist. Allerdings ist der Zugang hier auch nicht eben als easy zu bezeichnen, sondern bestenfalls mit vorgedehnten Rückenmuskeln zu empfehlen. Zumindest bei größeren Zeitgenossen.

Rolls Royce Wraith

Vorne indes ist der Wraith so phänomenal komfortabel, dass eine noble Sitzgarnitur wie das Holzbänkchen in der Umkleide des Freibads wirkt. Natürlich gibt es keine „Sport“-Sitze, sondern feines Mobiliar, das auch für die am Stück gefahrene Strecke Hammerfest – Nizza rückschmerzfreie Fahrt garantiert. Damit sich der komfortverwöhnte Mensch auch nicht zu sehr strecken muss, sind auf Fahrerseite zwei Knöpfe und auf Beifahrerseite ein Knopf zum Schließen der Portale via Elektrik anberaumt.

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Rolls Royce Wraith

 

 

 

 

 

 

Zu und ab dafür. Den Wählhebel für den Achtgangautomaten auf D stellen, das ziemlich griffige Lenkrad fest in die Hände nehmen. Gas. Schon wird das Gespenst mit Leichtigkeit und kaum wahrnehmbarem Motorgeräusch über die 20 Zöller angeschoben. Wie in einem Kokon bekommt man innen von der lästigen Außenwelt fast nichts mit. Nur die Fein-Einstellung an die recht beachtlichen Außenabmessungen macht anfangs Probleme.

Rolls Royce Wraith

Gleitflug in der Stadt. Gleitzug auf Landstraßen. Gleit-ICE mit Luftfederung auf der Autobahn. Das kommt einem doch bekannt vor und ist mit Waftability landläufig zum ehernen Gesetz für Mobility à la Rolls geworden. Aber der Wraith kann auch anders. Gibt man ihm während gemütlicher Fahrt über Land einmal die Sporen, holt der Wraith tief Luft, was etwa einem Atemzug von 6.592 Kubik entspricht. Leistungssportler-Niveau. Aus diesem Atemzug erzeugt der 12-Zylinder muntere 632 Pferde. Das ist, mit Verlaub, Euer Lordschaft, das stärkste Aggregat ever, das in einem Rolls-Royce verbaut wurde. Den Tritt quittiert der Wraith erst einmal mit leicht erhöhtem Motorklang (nein, kein Sound), dann lupft er leicht die Nase. Und fest unmerklich schwingt sich die Tachonadel in Richtung 200 km/h. Das Power-Meter, das gegenläufig mit spielt und den Rest der Kraft von 800 Newtonmeter verwaltet, ist zu diesem Zeitpunkt wieder auf dem Rückweg in Richtung 20 Prozent genutzte Kraft.

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Allerdings geht es beim Wraith noch weiter. Da seine Rollbewegungen um die eigene Achse wesentlich geringer ausfallen als bei den Geschwistern, kann man ihn auch etwas mehr ran nehmen. Das heißt im Rolls-Royce-Speak nicht etwa sportlich („Wir bauen keine sportlichen Fahrzeuge“), sondern allenfalls und auch nur ausnahmsweise „dynamisch“. Und ja, das geht. Schließlich ist die Karenzzeit zwischen Null und 100 km/h mit 4,6 Sekunden recht flott ausgelegt. Für einen 2,3-Tonner. Deshalb ist der Wraith zwar kein richtiger Racer, das stimmt schon, aber er kann sehr wagemutig in Kurvenkombinationen gelenkt werden, wenn Platz zum Anschneiden der ungeraden Strecken gegeben ist.

Rolls Royce Wraith

Zu Hilfe kommen dem Wraith dabei eine Handvoll Satelliten, die im Orbit hängen und das Fahrzeug mit ziemlich genauen Positionsdaten versehen. Die Navstars teilen dem Getriebe mit, wo sich der Wagen gerade befindet und legen vorsorglich die Stufe Zahnräder in Hab-Acht-Stellung, die vom Chauffeur/Selbstfahrer unter Umständen benötigt werden könnte. Und ja, es funktioniert. Nur das angedeutete Streicheln des Gaspedals bringt ohne jegliche Verzögerung und auch ohne hektische Schaltvorgänge den richtigen Schub zur rechten Zeit. Dies alles auszukosten ist natürlich an eine winzige Kleinigkeit gebunden: 279.531 Euro. Als Basispreis.

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Rolls Royce Wraith

 

 

 

 

 

Das ist dann in der Tat gespenstisch. Denn nach oben ist auch beim Wraith die Preisskala offen, wie sich das für einen noblen Hobel nun einmal gehört. Ob die bei Bentley den Schuss gehört haben und nun die Preise für den Continental GT erhöhen, ist nicht überliefert. Fest steht: Wer sich eigene Satelliten ins All hängen kann, um die Ausfahrt mit dem Auto gespentisch-geschmeidig zu gestalten, der baut keine sportlichen Autos, geschweige denn preisgünstige Standardware aus dem Großsrienregal.

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Nota bene: Mann kann den Wraith durchaus mit zu Festen nehmen. Denn die Neigung zur Trinksucht seiner Familiemitglieder hat er nicht übernommen: im Durchschnitt sind es 14 Liter. Es geht aber auch mit acht bis neun auf leichter Sohle. (Text: Jo Clahsen / Fotos: Rolls Royce)

 





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