Schiffs-Verkehr: Das 6er Grand Coupé

Ist Ihnen das BMW 6er Coupé oder Cabrio zu klein? Der 7er aus gleichem Hause vielleicht doch etwas zu wuchtig? Dann gibt es jetzt die Lösung: Das 6er Grand Coupé. Stellen Sie sich vor, Sie hätten 100.000 Euro „Spielgeld“. Also Geld, das Sie nicht brauchen, sondern nach Herzenslust ausgeben können. Manch einer würde sicher nach dem brüllenden Zwölfzylinder mit dem springenden Pferd geifern. Da reicht das Geld aber gerade mal für einen ordentlichen Gebrauchten. Andere denken an Häuser, zumindest als Anzahlung, Flugzeuge (ab Baujahr 1980), Boote (da muss man wohl noch ein wenig zusparen). Oder an das Gran Coupé von BMW.

Zurzeit im Angebot sind die zwei Varianten 640i mit dem begnadeten BMW-Reihensechszylinder oder der Diesel, ebenfalls mit Doppelturbo. Nackt käme der Benziner mit 79.500 Euro noch preiswert und ließe Spiel für Sonder- oder Individual-Ausstattung. Der Diesel ist nur 3.500 Euro teurer. Aber der 650i mit einem komplett überarbeiteten V8 der bekannten Größe 4,4 Liter, lässt nicht viel Spielraum: 92.600 Euro. Er wird erst im dritten Quartal kommen. Zeit zu überlegen, ob, und wenn ja, ob es dann nicht gleich mit Allrad sein soll, dann sind die 100.000 Euro bis auf ein kleines Taschengeld komplett versenkt. Na gut, 4.000 Euro reichen immerhin noch für 20-Zoll-Vielspeiche Räder. Das wäre aber auch schon das Einzige, was ich diesem Fahrzeug äußerlich noch angedeihen lassen wollte.

Frank-Peter Arndt, Vorstand Produktion bei BMW nennt den Grund: „Für mich hat das Sechser Grand Coupé das Zeug zur Design-Ikone.“ Und in der Tat, das Fünf-Meter-Schiff ist so elegant gestylt wie die Yachten aus dem Hause Riva. Die fein ziselierte Coupé-Linie, erklärt Designer Jochen Paesen, zieht sich von der langen Front über die gesamte Dachlinie bis in den Kofferraum. Und die für das Licht- und Schattenspiel entscheidende Sicke an den Seiten geht auch – sogar über die Türgriffe hinweg – bis in die Rückleuchten durch. Das pfeilt den Sechser, der wirklich Gran ist, zu einer sehr gestreckt wirkenden Erscheinung. Wer sich traut, eine Tür zu öffnen, wird auf Anhieb sehen können, wohin die Hunderttausend versenkt wurden. Edelstes, hoch luxuriöses Interieur, das bereits im Serientrimm eine Lederausstattung enthält. Gegen Aufpreis, die passende Liste umfasst 30 Seiten plus zwei Seiten für Notizen, geht natürlich noch dies und das. Da muss man Prioritäten setzen. Das Navigationssystem mit Bluetooth-Anbindung oder das High-End Sound System von Bang&Olufsen sind natürlich Spezereien. Die machen das Leben nicht nur leichter, sondern auch wegen der Musikwiedergabe zu der Freude, die BMW im Claim führt. Wer sehr App-affin ist, kann noch eine ganze Menge mehr investieren. Dafür kann er dann auch beim Check-in am Flughafen noch einmal per iPhone überprüfen, ob das Auto im Parkhaus wirklich abgeschlossen ist. Der Rest ist Geschmackssache.

Wer jemals in einem 6er Cabrio, sagen wir mal, im 640i unterwegs war, der wird nicht viel vermisst haben. Das Auto bietet Fortbewegung auf höchstem Niveau, umschmeichelt seine Nutzer mit Komfort, wahlweise mit Dynamik und Highspeed, aber eben auch mit diesem unsagbar angenehmen Gefühl in der First-Class-Lounge bedient zu werden.

Was fehlt, sind zwei weitere Sitze, denn beim 2+2-Sitzer ist der Zugang zu den Rücksitzen nur empfehlenswert, wenn die Jugend den Körper noch voll im Griff hat. Das ist beim Gran Coupé natürlich anders. Es gibt vier Türen, die auch ordentliches Ein- und Aussteigen erlauben. Und trotz der Coupéform ist hinten sogar für Sitzriesen jenseits der 1,9-Meter-Marke ordentlich viel Platz. Auch und gerade für die Beine. Das liegt an der Tiefe der Sitze, die von ihrer Position her sehr stark an die Sitzposition im Porsche Panamera erinnern. Nur: bei BMW gibt es hinten eine Art Notsitz und keine Mittelkonsole. Macht man das Coupé zum 2+2-Sitzer, indem man die hintere Rückbank komplett umlegt, vergrößert sich der ohnehin schon respektable Kofferraum (460 Liter) auf erkleckliche 1.265 Liter. Das reicht dann locker für den langen Urlaub inklusive zwei Golfbags. Der Rest ist typisch BMW. Der Fahrer sitzt sehr fokussiert vor einem Armaturenträger, der auf den Fahrer zugeschnitten ist und alle wesentlichen Bedienelemente in Griffnähe platziert. Wie beim Pilot-in-Command üblich. Auf der Beifahrerseite ist ebenfalls üppiges Wohlfühlen in feinen Sitzmöbeln garantiert. Und, wie gesagt, auch hinten geht es mehr als gemütlich zu, weil der verlängerte Radstand den Wellness-Faktor noch einmal erhöht.

4,6 oder 5,4 Sekunden nehmen sich die Gran Coupés Zeit, um von Null auf 100 km/h zu spurten. Ob die 0,8 Sekunden Zeit den Unterschied machen, um auf den 650i zu warten, sei dahingestellt. Der große Benziner ist sicher kein Leisetreter, denn 450 PS stehen zur Wahl. Sowohl der Sechszylinder 640i als auch der Diesel machten bei den Testfahrten so viel Spaß und ließen so wenig an explosiver Schnellkraft vermissen, dass nur noch der Verbrauch entscheiden kann. Bei 320 respektive 313 PS für den Diesel wahrlich kein Wunder. Nehmen wir also die theoretischen Werte von bis zu 8,9 für den 650er, bis zu 7,9 für den 640i und die bescheidenen 5,7 Liter für den Diesel, dann erübrigt sich die Frage. Zumal man da auch seine Leadership in Bezug auf nachhaltige Fortbewegung dokumentieren kann.

Mit serienmäßigem LED-Licht, 2-Zonen-Klimaautomatik, Leder und elektrischen Sitzen mit Memory-Funktion ist der Nutzer schon gut ausstaffiert. Mehr noch, der sogenannte Erlebnis-Schalter, beinhaltet auch den Schongang namens ECO-Pro. Das macht Eindruck, weil wie ein einer Payback-Aktion die Kilometer angezeigt werden, die durch besonders nachhaltiges Fahren „gesammelt“ werden. Und eines steht fest: Die Achtgang-Automatik muss sein, denn sie hilft zusätzlich, den Verbrauch zu senken. Es sei denn, man hat’s etwas eilig und jagt im Sport-Modus dahin. Aber, wer bitte will mit einem Schiff namens Gran Coupé schon rasen? Das wäre ein Frevel. Schließlich besteht wahrer Luxus darin, sich die Zeit zu nehmen, standesgemäß unterwegs zu sein. Dafür ist das Coupé die beste Lösung. (Text: Jo Clahsen, Bilder: BMW)

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Hans Hörl ist seit 1979 im Medien- und Verlagsgeschäft und war in leitenden Postionen tätig. Anfang 2000 gründete er Media Service Partner und spezialisierte sich im laufe der Jahre auf das Luxus-Lifestyle-Segment. Er ist Gründer und Herausgeber der Online-Magazine FiNE ART OF LIVING und NeueUhren.de.

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